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Donnerstag, 10. August 2017

[Rezension] Milla und das erfundene Glück von Rüdiger Bertram

von Rüdiger Bertram

Genre: Kinderbuch
Seitenzahl: 192
  Hardcover: 12,99 € *
Altersangabe: ab 10 Jahren
1. Auflage: Juni 2017


 Milla hätte gern einen stinknormalen Vater. Einen, der in einem stinknormalen Büro arbeitet und nicht als Wahrsager bei "Sternzeichen TV", diesem doofen Astro-Sender. Dann würden sich ihre Mitschüler wenigstens nicht mehr über sie lustig machen. Nur Henry, der Neue, hält zu ihr. Weil seine Mutter genauso durchgeknallt ist, wie ihr Vater? Oder weil er mehr für sie empfindet?


Nachdem sich die Eltern der 12-jährigen Milla getrennt haben, lebt diese bei ihrem Vater, da sie nicht mit ihrer Mutter zusammen nach Südafrika ziehen wollte. Millas Vater arbeitet als Wahrsager für einen Fernsehsender und hält auch zu Hause private Seancen für seine Kunden ab. Milla findet das überhaupt nicht gut. Sie ist ein sehr logischer Mensch und glaubt nicht ans Hellsehen, an Geister oder ähnliche Dinge. Sie hält ihren Vater daher für einen Betrüger, der den Menschen lügen erzählt. Ihr Vater hingegen verteidigt sich damit, dass er seinen Kundinnen Hoffnung schenkt, mit denen sie positiver im Leben stehen.

Milla mochte ich als Protagonistin von Anfang an. Ihr Charakter wird bestimmt durch ihr Verständnis von Logik. Sie lässt sich - zumindest äußerlich - nicht von den negativen Kommentaren ihrer Mitschüler runterziehen, die sie als "Hexe" bezeichnen. Zudem ist sie sehr sehr eigenständig, selbstbewusst, zielstrebig und wissbegierig. Sie arbeitet hart für ihre Wünsche und Träume und lässt sich nicht so schnell entmutigen. Aber sie ist auch etwas überheblich und manchmal zu voreilig mit ihren Worten und Taten. Dennoch ist sie eine Protagonistin, die mit ihrer lockeren Art von vielen jüngeren Lesern gemocht werden wird.

Henry kommt neu an Millas Schule und die beiden verstehen sich auf Anhieb gut. Die Freundschaft der beiden baut sich sehr realistisch auf und ich mochte es sehr gerne, wie kindlich die Beziehung der beiden dargestellt wird, auch wenn eine ganz dezente romantische Note vielleicht zu erahnen ist.

Die Handlung selbst ist unterhaltsam, greift aber auch kindgerecht ein paar Problematiken auf, wie sie zum Beispiel bei Trennungskindern häufig auftreten können. Besonders gefallen hat mir auch, dass bei der Thematik des Wahrsagens keine Wertung getroffen wurde. Sowohl Millas Meinung als auch die ihres Vaters werden vermittelt, so dass sich der Leser eine eigene Meinung bilden kann, ob es sich beim Zukunft voraussagen und Tarotkarten legen um Betrug handelt oder man den Menschen damit nur das gibt, was sie hören möchten.

Der Schreibstil ist einfach, locker und kindgerecht. Erzählt wird die Geschichte aus Millas Sicht, weshalb besonders ihre Gedankengänge teils sehr lustig oder auch skurril sind. Alles ist nachvollziehbar gestaltet und lässt sich flüssig lesen. Neben humoristischen Szenen gibt es auch sensiblere, in denen verdeutlicht wird, dass auch Einzelgänger Gleichgesinnte finden können, dass man nie aufgeben soll und dass man für seine Träume hart arbeiten sollte.


Insgesamt stellt "Milla und das erfundene Glück" ein unterhaltsames Kinderbuch dar, mit dem besonders Mädchen ab 10 Jahren viel Spaß haben werden. Die Handlung ist abwechslungsreich und es gibt auch einiges zu lachen.


*Ich bedanke mich beim Verlag für das Buch, das mir für eine Leserunde zur Verfügung gestellt hat

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